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Exkursion zum Müllheizkraftwerk Göppingen


Das Müllheizkraftwerk Göppingen – Ein Pfeiler der regionalen Energie- und Abfallwirtschaft

Die zweite Exkursion des Semesters führte eine kleine Anzahl von Teilnehmern (5 Teilnehmer aufgrund kurzfristiger Absagen) am 27.11.2025 zum Müllheizkraftwerk (MHKW) Göppingen, betrieben von EEW Energy from Waste. Das MHKW ist eine zentrale Anlage zur thermischen Verwertung von Restabfällen und spielt eine entscheidende Rolle für die Entsorgungssicherheit und die Energieversorgung der Region. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1975 hat sich die Anlage kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Kreislaufwirtschaft.

Berthold Link und Igor Pankin von der EEW empfingen die kleine Gruppe des Göppinger Technikforums. Vorteil dieser kleinen Gruppe war natürlich, dass sehr viel individueller und inhaltlich tiefer auf Fragen eingegangen werden konnte. So war es auch möglich,  außergewöhnliche Bereiche sicher betreten zu können. Zu Beginn gab Herr Fink einen Überblick über die historische Entwicklung und die Eigentumsverhältnisse des MHKW GP. Alle Anlagen der EEW werden autark vor Ort gesteuert – so auch das MHKW Göppingen.

Für Abfall gibt es mittlerweile einen überregionalen Markt. Der Vorteil, Teil des Verbundes von 17 modernen Anlagen der Unternehmensgruppe zu sein, besteht aus einem zentralen Abfall-Management. Dieses sorgt für eine optimale Zulieferung von Abfall und damit  auch für die optimale Effizienz und Wirtschaftlichkeit jeder einzelnen Anlage.

Es ist abzusehen, dass zukünftig immer weniger Abfall exportiert werden darf. Damit kommt der Müllvermeidung und der Müllverwertung innerhalb von Deutschlands eine immer stärker werdende Bedeutung zu. 

Funktion und Kapazität

Das MHKW Göppingen dient der sicheren und hygienischen Beseitigung von Restmüll, der nicht stofflich recycelt werden kann.

  • Verwertungskapazität: Jährlich werden in der Anlage bis zu 168.000 Tonnen Restabfall aus dem Landkreis Göppingen und umliegenden Gebieten verwertet. Das Abfallmanagement der eew sorgt für die kontinuierliche Befeuerung und Auslastung des MHKW.
  • Energiegewinnung: Durch die kontrollierte Verbrennung des Abfalls wird Wärmeenergie freigesetzt, die zur Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt wird. Das Kraftwerk speist die gewonnene Energie in das lokale Netz ein und versorgt damit Haushalte und Unternehmen in Göppingen und der Umgebung.
  • Grundlastfähigkeit: Im Gegensatz zu volatilen erneuerbaren Energien liefert das MHKW grundlastfähige Energie und trägt somit zur Stabilität der regionalen Energieversorgung bei.
Verbringung des angelieferten Abfalls in den Trichter (hinten links), der direkt in den Ofen führt - gleichzeitig wird überwacht, ob sich lokale Feuer im Müll entwickeln

Umweltschutz und Rauchgasreinigung

Die Einhaltung strenger Umweltauflagen ist ein Kernaspekt des Betriebs. Moderne Technik sorgt dafür, dass die Emissionen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen.

  • Rauchgasreinigung: Die Anlage ist mit einer hochmodernen mehrstufigen Rauchgasreinigungsanlage ausgestattet. Diese filtert Schadstoffe wie Stickoxide, Schwefeldioxide, Schwermetalle und Feinstaub effizient aus den Abgasen.
  • Emissionsüberwachung: Eine kontinuierliche Überwachung der Emissionen gewährleistet die Einhaltung der Grenzwerte und sorgt für Transparenz in der Öffentlichkeit.

Rolle in der Kreislaufwirtschaft

Das MHKW ist nicht nur eine Entsorgungsanlage, sondern ein integraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft:

  • Rückgewinnung von Wertstoffen: Nach der Verbrennung werden die entstehende Asche (Schlacke) und die Rückstände nicht einfach deponiert. Wertvolle Metalle wie Eisen, Kupfer und Aluminium werden aus der Schlacke gewonnen und dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt. Die aufbereitete Schlacke selbst kann teilweise im Straßen- und Deponiebau verwendet werden.
  • Reduktion des Deponievolumens: Durch die thermische Verwertung wird das Abfallvolumen um bis zu 90 Prozent reduziert, was zur Schonung knapper Deponieflächen beiträgt.

Fazit:

Zusammenfassend ist das MHKW Göppingen ein unverzichtbarer Akteur in der regionalen Infrastruktur, der Entsorgungssicherheit und Energiegewinnung effizient miteinander verbindet und sich den Herausforderungen einer klimaneutralen Zukunft stellt.

Beide Exkursionen – das MHKW und die GHT-Anlage –  lieferten wertvolle Einblicke in die Doppelrolle des Abfalls als Umweltproblem und gleichzeitige Energieressource. Sie unterstrichen, dass die Energiewende in der Region Göppingen sowohl auf innovativen Start-up-Technologien (GHT) als auch auf der Transformation und Modernisierung bestehender Großanlagen (MHKW) basiert. Die Teilnehmer zeigten großes Interesse an der Verknüpfung von lokaler Abfallwirtschaft und globalen Klimazielen.

Wir danken Herrn Berthold Link und Herrn Igor Pankin für die detaillierten Ausführungen und die außergewöhnlichen Einblicke in Ihre Arbeit vor Ort.

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